31. Mai 2017

Medizinisches Cannabis

Die Cannabispflanze als Arzneimittel

Das uralte Heilmittel Cannabis

Das Verwenden der Cannabispflanze als Arzneimittel ist keine Neuheit. Medizinisches Cannabis wurde bereits Jahrtausende vor Christus eingesetzt. Die ältesten Hinweise existieren aus einem Heilpflanzenkompendium aus China (das Shennong pên Ts’ao ching) aus dem Jahr 2737 vor Christus. So nutzte schon der chinesische Kaiser Shennong das Harz der Cannabispflanze als Heilmittel. Dies unter anderem bei Verstopfung, Frauenkrankheiten, Gicht, Rheuma, Malaria, Beriberi und Geistesabwesenheiten. Weitere Belege über medizinisches Cannabis datieren ca. 3500 Jahre zurück. Aus dem alten Papyrus Ebers, einer der ältesten noch erhaltenen Texte, der in Ägypten gefunden wurde, geht hervor, dass die Cannabispflanze für den Zehennagel empfohlen wurde.

Auch Hildegard von Bingen (1098–1179) erwähnte in ihren Schriften Cannabis als Medizin. Dann ist bekannt, dass zu Napoleons Zeit, Cannabis als als Schmerzmittel, Beruhigungsmittel und zur Linderung von Krämpfen verwendet wurde. Auch danach wurde Cannabis als Heilmittel verwendet. Sei es als Hustensirup, Mittel gegen Verdauungsbeschwerden, Schmerzstiller oder Hühneraugenpflaster. Es war einer der meist verabreichten Pflanzenextrakte der Welt.

Dann verschwand medizinisches Cannabis in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts plötzlich vom Markt. Es wurden Gesetze verabschiedet, die Cannabis als Medizin verboten. Angeblich, weil es bessere und wirksamere Heilmittel gab und sie zu gefährlich waren. Dies waren jedoch nicht die wahren Gründe. Warum Cannabis als Medizin aber wirklich verboten wurde soll jetzt nicht Thema dieses Beitrages sein. Es gibt genügend Informationen darüber im Internet zum nachrecherchieren.

Die moderne Cannabis-Forschung

 

Im Jahre 1964 begann die moderne Cannabis-Forschung mit der Isolierung des psychoaktiven Haupt-Cannabinoiden Delta-9-THC. 1980 wurde das Endocannabinoid-System (ECS) entdeckt, dass in jedem Säugetier vorhanden ist. Die Entdeckung und Erforschung des ECS, mit seinen Rezeptoren und Liganden, lieferte ein viel größeres Verständnis über die Wirkungen von Cannabinoiden. Bis heute wurden zwei Cannabinoid-Rezeptoren gefunden, der CB1- und CB2-Rezeptor. Eine körpereigene Substanz namens Anandamid, die besonders oft im zentralen Nervensystem vorkommt und sich an den CB1-Rezeptor haftet, wurde 1992 entdeckt. Seit 1998 darf der Hauptwirkstoff THC in Form von synthetischen Präparaten verschrieben werden. Im Jahre 2011 wurde erstmals erlaubt Pflanzenteile wie Marihuana zur Herstellung von medizinisches Cannabis zu verwenden. Seit dem 10. März 2017 können Patienten in Deutschland medizinisches Cannabis auf Rezept bekommen. Die Kosten werden gar von den Krankenkassen übernommen.

Die Cannabis-Forschung hat daher noch viel vor sich und es bleibt spannend wie es sich weiterentwickelt. Eines ist klar, aus der Welt zu denken ist die Anwendung von medizinisches Cannabis nicht mehr, dafür gibt es bereits viel zu viele Forschungsergebnisse und Studien über die positiven Wirkungen der Cannabispflanze.

Was macht die Cannabispflanze so besonders?

 

Die Cannabispflanze, auch Hanfpflanze genannt, enthält über 480 Inhaltsstoffe. Darunter Cannabinoide, Terpene und Flavonoide. Verantwortlich für die positiven Wirkungen der Cannabispflanze sind Cannabinoide. Bisher konnten bereits 113 isoliert werden. Die bekanntesten und meist erforschten Cannabinoide sind Tetrahydrocannabinol (Delta-9-THC), das für seine berauschende Wirkung bekannt ist, und Cannabidiol (CBD), das nicht berauschend wirkt und eine entgegengesetzte Wirkung zu THC hat. Für mehr Informationen über die wichtigsten Cannabinoide aus der Cannabispflanze und welche Wirkungen sie haben, schauen Sie auf unsere Cannabinoide-Übersicht.
Die Wirkung von Cannabinoide

Cannabinoide beeinflussen und interagieren mit den speziellen Rezeptoren des ECS, die sich im ganzen Körper (Gehirn, Nervensystem, Organe, Gewebe, Verdauungstrakt etc.) befinden. Sie besetzen die CB1- und CB2-Rezeptoren und aktivieren dadurch in der jeweiligen Zelle die Signalübermittlung. Diverse Cannabinoide wirken also im Körper wie ein Neurotransmitter oder Hormon. Der Unterschied zu körpereigenen Cannabinoiden ist, dass die Cannabinoiden aus der Cannabispflanze einen bestimmten Botenstoff des Körpers in seiner Wirkung imitieren oder ersetzen. Cannabinoide tendieren dazu das limbische System im Gehirn zu beeinflussen. Das ist der Teil des Gehirns, dass beim Erinnerungsvermögen, der Wahrnehmung und psychomotorik mitmischt. Außerdem beeinflussen sie das mesolimbische System, welches entscheidend bei der Entstehung der Emotion “Freude” beteiligt ist, sowie die Schmerzregionen.

Medizinisches Cannabis (Arzneimittel mit Cannabis) ist nicht gleich Cannabis als Medizin

Eine wichtige Unterscheidung

Wie die Überschrift dieses Abschnitt schon sagt, sind Arzneimittel mit Cannabis (medizinisches Cannabis) nicht das Gleiche wie Cannabis als Medizin. Eine Unterscheidung zwischen diesen Begriffen, in Bezug auf die Verwendung und Wirkung, halten wir für wichtig. In den folgenden Absätzen wollen wir mehr Klarheit schaffen.

Was ist medizinisches Cannabis / Arzneimittel mit Cannabis?

 

Pflanzen lassen sich nicht patentieren, daher versucht die Pharmaindustrie die chemischen Verbindungen und Substanzen von Pflanzen künstlich herzustellen, genauer gesagt zu synthetisieren. So wurden bereits viele chemische Verbindungen der Cannabispflanze erfolgreich synthetisiert. Die künstlichen Cannabinoide werden genutzt um Medikamente herzustellen. Diese Medikamente bestehen in der Regel aber nicht nur aus synthetischen Inhaltsstoffen der Hanfpflanze, sondern auch aus anderen chemischen Verbindungen mit ggf. starken Nebenwirkungen. Nun gibt es aber auch Arzneimittel, die natürliche Cannabinoide enthalten (aus der Pflanze extrahiert), jedoch werden auch hier oft zusätzlich noch künstlich hergestellte Stoffe beigemengt um das jeweilige Medikament auf die spezielle Krankheit abzustimmen. Medizinisches Cannabis darf nur von Ärzten verschrieben werden und ist nicht ohne Rezept legal in Deutschland erhältlich. In der Regel enthält medizinisches Cannabis auch den psychoaktiven Wirkstoff THC, welcher z.B. bei CBD Öl höchstens nur in Spuren zu finden ist.

Fazit: Arzneimittel mit Cannabis sind leider allzu oft verschreibungspflichtige Medikamente mit künstlichen Cannabinoiden, hergestellt in einem Labor. Mit der Natur hat das nicht mehr viel zu tun!

Cannabis als Medizin

Warum müssen Pflanzenstoffe synthetisiert werden?

Der Grund ist einfach: die Profitgier der Pharmaunternehmen. Natürlich vorkommende Pflanzenstoffe lassen sich auch nicht standardisieren wie künstlich Hergestellte. Also anstelle ein rein pflanzliches Medikament einzunehmen (bei dem die Konzentrationen der Wirkstoffe etwas schwanken können), will der Verbraucher lieber sicher sein, dass auch das drin ist, was drauf steht bzw. die versprochene Wirkung auch einsetzt.

Cannabis als Medizin unterscheidet sich daher von medizinisches Cannabis dahingehend, dass NUR die natürlichen Wirkstoffe der Cannabispflanze verwendet werden und weder Chemisches hinzugefügt wird noch giftige Stoffe durch den Anbau (Herbizide, Pestizide, Düngemittel) drin stecken. In der Regel werden die heilenden Pflanzenstoffe (Cannabinoide) schonend extrahiert. Das Extrakt kann dann zum Beispiel einer Tinktur oder einem Öl (meistens Hanfsamenöl) hinzugefügt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Inhaltsstoffe aus der Pflanze erhalten bleiben und die Medizin so natürlich wie nur möglich bleibt.

Welche Varianten von Cannabis als Medizin gibt es?

Cannabis als Medizin kann in den verschiedensten Varianten konsumiert werden. Die meisten sind jedoch illegal, da sie zu viel von dem psychoaktiven Stoff Delta-9-THC enthalten. Delta-9-THC fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz und ist daher verboten. Nur Varianten, die weniger als 0,2 % THC enthalten sind legal. Folgende Varianten gibt es:

  • Rauchen
  • Verdampfer (Vaporizer)
  • Flüssige Tinkturen
  • Cannabis-Esswaren (Cookies etc.)
  • Lutschtabletten
  • Cannabisöl
  • uvm.

Verwendung von medizinisches Cannabis / Cannabis als Medizin

Die potentiell positiven Effekte von Cannabis

Obwohl es bereits viele Forschungsarbeiten und Studien über medizinisches Cannabis gibt, die eine positive Wirkung der Cannabinoiden bescheinigt, fehlen immer noch ausführliche klinische Langzeitstudien bei den meisten Erkrankungen. Wie schon weiter oben erwähnt, ist die moderne Forschung nach am Anfang. Aus diesem Grunde heißt es im Titel dieses Absatzes auch “potentiell” positive Effekte. Viele Verweise zu Studien (englisch) von Cannabidiol (CBD) bei diversen Krankheiten finden Sie in unserem Artikel über CBD Öl. Die nachfolgenden Informationen stammen allesamt von Wikipedia.

Cannabis als Medizin hat viele vorteilhafte Wirkungen auf den menschlichen und tierischen Körper (mehr auf CBD Öl für Tiere). Chronische Schmerzen und Muskelkrämpfe (auch Epilepsie) sind die Beschwerden, die vielleicht am meisten mit dem Konsum von medizinisches Cannabis assoziiert werden. Auch bei Übelkeit (z.B. bei einer Chemotherapie), Appetitlosigkeit (z.B. bei HIV / AIDS) und Tics (z.B. beim Tourette-Syndrom) soll medizinisches Cannabis helfen können. Arzneimittel mit Cannabis wurden bereits bei Schlaflosigkeit, Magersucht (Anorexie), Arthritis, Migräne und Glaukom empfohlen.

 

Übersicht – Mögliche Anwendbarkeit von Cannabis als Medizin

Hier eine Übersicht bei welchen Erkrankungen und Beschwerden medizinisches Cannabis helfen bzw. zu einer Linderung führen kann:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Magersucht
  • Arthritis
  • Migräne
  • Glaukom
  • Chronische Schmerzen
  • Psychosen
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Epilepsie
  • Bewegungsprobleme
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Typ-1-Diabetes
  • Krebs
  • Alzheimer
  • Chorea Huntington
  • Parkinson-Krankheit
  • Tourette-Syndrom
  • Angst- und Panikattacken
  • Verdauungsstörungen
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Fibromyalgie

Mögliche Nebenwirkungen von medizinisches Cannabis

Medizinisches Cannabis hat typischerweise keine starken Nebenwirkungen. Die Haupt-Nebenerscheinungen von Arzneimittel mit Cannabis sind Müdigkeit, Schwindel, Erbrechen sowie Kardiovaskuläre und psychoaktive Effekte. Man kann sich aber nach wenigen Tagen/Wochen an diese Effekte gewöhnen. Das Autofahren und die Bedienung von Maschinen sollte erst wieder ausgeübt werden, wenn man sich an Cannabis als Medizin gewöhnt hat.

Die Nebenwirkungen hängen auch von der Dosis ab. Je geringer die Dosis, desto schwächer die Nebenwirkungen. Eine dauerhafte kognitive Beeinträchtigung durch medizinisches Cannabis bei Erwachsenen gilt als unwahrscheinlich, da die üblichen Dosierungen dafür nicht ausreichend sind. Bei Jugendlichen und Kindern muss die Dosierung aber sorgfältig abgewogen werden, da sie bei einer Langzeittherapie anfälliger dafür sind.

Obwohl medizinisches Cannabis bei Übelkeit und Erbrechen helfen kann, kann es diese Wirkungen bei einem Langzeitgebrauch auch auslösen. Weitere Nebenwirkungen, die ganz selten auftreten können sind u.a.:

  • Juckreiz
  • Muskelzucken
  • Halluzinationen
  • Benommenheit
  • Trockener Mund
  • Orthostatische Dysregulation

Fazit

Cannabis als Medizin ist ziemlich sicher und hat “verträgliche” Nebenwirkungen. Es müssen aber noch mehr Langzeitstudien gemacht werden, um dies ganz sicher zu bestätigen. Die Anwendungsmöglichkeiten, die medizinisches Cannabis jedoch bei der Behandlung von Krankheiten bietet, sind scheinbar enorm. Wir dürfen gespannt sein, was die Medizinforschung in naher Zukunft noch herausfindet. Wenn es um die Behandlung geht, sollte darauf geachtet werden keine im Labor hergestellten und synthetischen Stoffe einzunehmen. Setzen sie viel mehr auf rein pflanzliche Präparate. Verwenden Sie Cannabis als Medizin und nicht Arzneimittel mit Cannabis (künstliches)!

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